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Wenn man mir vor ca. 2 Jahren gesagt hätte, dass ich schon in Kürze in die Psychiatrie kommen werde, weil ich vor lauter Panikattacken und Albträumen nicht mehr schlafen kann und mir mit Rasierklingen die Arme aufschneide, hätte ich denjenigen für verrückt erklärt!

Ich krank? In der Psychiatrie? Niemals! Das kann nicht sein!

Und doch ist es so gekommen. Wie aus dem nichts! Plötzlich war es da das unstillbare Verlangen nach der Klinge, die Sucht rote, glänzende Perlen meinen Arm entlanglaufen zu sehen. Völlig unerwartet. Ich wusste bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal, dass es eine Krankheit namens SVV gibt, kannte niemanden, der daran leidet. Sie überfiel mich quasi, machte mich fertig und brachte mich innerhalb weniger Monate in die Klinik.

Ich weiß noch nicht einmal, wie genau das alles angefangen hat und warum ich mir plötzlich die Arme aufschnitt. Heute vermute ich, dass es mir zuhause zum ersten Mal passiert ist, aber ich habe keinerlei Erinnerung an diese Zeit im Herbst 2004. Ich weiß, dass ein dreimonatiger Hamburgaufenthalt meines Freundes anstand (750 km von mir entfernt) und dass ich völlig zusammengebrochen bin, als er mir davon erzählte.

Die erste richtige Erinnerung daran, dass ich realisiert habe, dass da was mit mir passiert, was nicht okay ist, war, als ich einem damaligen sehr engen Freund per ICQ davon in einem Nebensatz erzählte, dass ich mich verletze. Er rief mich an, ich klappte weinend zusammen, er war völlig geschockt und setzte sich umgehend ins Auto, um die 100 km bis zu mir zu fahren.

Da er selber eine therapeutische Ausbildung hat, konnte er mir an diesem Abend sehr viel über SVV erklären. Schon bei diesem ersten Gespräch sagte er mir, dass ich dringend ins Krankenhaus solle, da er den Eindruck hatte, dass ich schnell Hilfe brauche und nicht noch ewig warten kann. Vieles, was er mir damals sagte, konnte ich nicht verstehen. Ich verstand nicht, wieso er so Druck machte und habe nicht eingesehen, wieso ich in die Klinik - in die Psychiatrie - sollte.

Was ich aber begriff an diesem Abend, war, dass ich wohl Hilfe eines Therapeuten brauche. Mein Kumpel half mir in den Folgetagen, umgehend eine Psychologin ausfindig zu machen, die sofort dazu bereit war, mir einen Termin zu geben. Ich war sehr aufgeregt, als ich zum ersten Mal zu ihr ging. Sie war sehr vorsichtig und bat mich, von mir zu erzählen. Nach nur 10 Minuten unterbrach sie mich und meinte, dass sie mir nicht helfen könne, da es besser sei für mich, in die Klinik zu gehen. Ich war sprachlos - hatte doch gar nicht damit gerechnet, dass mir ein Arzt sowas so schnell direkt ins Gesicht sagt. Ich bin nie wieder zu ihr hingegangen, habe aber bei einer anderen Therapeutin eine Entspannungstherapie begonnen. Das war okay, aber auch sie meinte, ich solle mir einen stationären Aufenthalt gönnen. Aber davon wollte ich immer noch nichts hören.

Doch in der Folgezeit wurde mein SVV immer schlimmer, also vertraute ich mich meinem Hausarzt an. Von diesem Tag an durfte ich regelmäßig zu ihm kommen. Er beobachtete die Entwicklung meines SVV und ein paar Wochen später stellte ich zusammen mit ihm einen entsprechenden Antrag auf einen Klinikaufenthalt bei der BfA. Der Antrag wurde abgelehnt, ich war nicht krank genug. Mein Arzt und ich konnten es nicht fassen, sahen wir beide doch, dass sich mein Zustand ständig verschlechterte. Ich schnitt mich zuletzt bei jeder Kleinigkeit, war mit allem überfordert. Je mehr ich merkte, dass ich mit meinem Leben nicht mehr klar kam, umso ärgerlicher wurde ich über mich selber. Je mehr ich mich aber ärgerte, um so mehr Druck übte ich auf mich aus, um das SVV in den Griff zu kriegen. Und um so mehr bestrafte ich mich mit weiteren Schnitten, wenn ich es mal wieder nicht geschafft hatte.

Ich spürte den inneren Druck, zitterte ständig. Angstattacken setzten ein. Ich träumte nachts meistens von meinem eigenen Tod, sah tiefe, blutige Wunden an mir und sah wie ich elendig starb. Oft schreckte ich nachts schreiend hoch. Ich hatte jeden Abend Angst, ins Bett zu gehen, weil ich immer schlimmere Albträume hatte.

Das Schneiden nahm immer mehr zu. Seit dem ersten Gespräch mit meinem guten Freund war inzwischen einige Zeit vergangen. Immer wieder redete er auf mich ein, dass ich Hilfe brauche und mich stationär einweisen lassen soll. Aber erst als ich quasi rund um die Uhr unter Druck stand, die Angst überhaupt nicht mehr abnahm und ich mich bei immer schlimmeren Gedanken erwischte, wie ich mir bzw. meinem Körper schaden kann, begriff ich, dass er Recht hat und ich schleunigst etwas tun muss, damit das aufhört. Zu dieser Zeit schnitt ich mich mehrfach täglich.

An einem Tag, als ich mich mal wieder sehr heftig selber verletzt hatte und bei meinem Arzt heulend zusammenbrach, setzte er mir ein Ultimatum. Er gab mir eine Nacht Bedenkzeit, in der ich mir überlegen sollte, ob er mich stationär einweisen soll, da er nicht mehr dazu bereit war, die Verantwortung für mich und meine Krankheit zu übernehmen. Die folgenden Stunden waren grauenhaft. Ich wurde von meinem Vater aus der Praxis abgeholt. Die Folgenacht verbrachte ich bei meinen Eltern und am nächsten Tag entschied ich mich, das Angebot meines Hausarztes anzunehmen.

Eine Freundin der Familie brachte mich erneut in die Praxis. Mein Hausarzt meldete mich telefonisch in der Klinik an und stellte die notwendigen Unterlagen aus. Er rief meinen Vater und meinen Freund im Geschäft an, die mit mir zusammen in meine Wohnung fuhren. Dort übergab ich meinem Vater alle meine Klingen und packte meine Taschen für die Klinik. Schon kurz darauf waren wir auf dem Weg in die Psychiatrie.

An der Anmeldung schickte man mich in den fünften Stock, wo ich im Flus auf die diensthabende Ärztin warten sollte. Sie schloss die Stationstür auf und brachte mich zusammen mit meinem Vater und meinem Freund in ein Untersuchungszimmer. Dort ließ sie sich zunächst von mir meine Situation und die Hintergründe - soweit bekannt - schildern, bevor ich in einem Nebenraum körperlich untersucht wurde.

Ich war erleichtert, als sie zum Abschluss der Untersuchung sagte, dass ich gleich in der Klinik bleiben kann. Die Ärztin erklärte mir, dass ich zunächst für ein paar Tage auf der geschlossenen Station zur Beobachtung bleiben werde, fügte aber gleich hinzu, dass ich in Kürze auf eine offene, psychotherapeutische Station verlegt werde, sofern keine Suizidalität besteht. Sofern Angst- oder Panikattacken sollten, könnte ich ein entsprechendes Medikament bekommen.

Anschließend brachte sie mich in mein Zimmer, dass ich mit einer anderen jungen Frau teilte, die nach einem Selbstmordversuch eingeliefert worden war.

In den ersten Stunden schauten die Pfleger regelmäßig nach mir. Ich fühlte mich völlig kraftlos und erschöpft, da ich mich aber nicht alleine in meinem Zimmer aufhalten sollte, begann ich mit meiner Zimmerkollegin ein Puzzle im Aufenthaltsraum der Station.

Der Zustand einiger Patienten war erschreckend. Eine Frau mittleren Alters begann immer wieder zu toben und zu schreien. Sie verweigerte ihre Medikamente. Da sie sich und die Mitpatienten akut gefährdete, wurde sie mehrfach im Bett fixiert.

Ein junger Mann, der den Tod seines Bruders nicht verkraften konnte, den er durch einen Autounfall verursacht hatte, kam nach einem Selbstmordversuch stationär. Nur wenige Stunden nach der Einlieferung unternahm er in seinem Zimmer einen weiteren Selbstmordversuch.

Eine junge Frau, die gar nicht so genau beschreiben konnte, was ihr eigentlich fehlt, stand häufig an der verschlossenen Stationstür und schaute ihren Mann an, der auf der gegenüberliegenden, ebenfalls geschlossenen Station auch an der Türe stand, und zu ihr herüberschaute.

Eine junge Mutter dreier Kinder putzte ständig apathisch die Stationsküche.

Ein junger Drogenabhängiger, der urplötzlich mit dem Konsum aufgehört hatte und seitdem immer wieder extreme Stimmungsschwankungen hatte, spielte meist den Stationsclown und brachte Patienten und Personal häufig zum lachen.

Viele Patienten erhielten so starke Medikamente, dass sie nach der Einnahme wie benommen waren und stundenlang den Stationsgang auf und ab liefen.

So erschreckend diese Schicksale auch waren - ich habe die vier Tage auf dieser Station als Erholung erlebt. Keiner wollte was von mir. Ich konnte den ganzen Tag nichts tun, lesen, puzzeln, und stand nicht mehr unter Leistungsdruck. Keiner kritisierte an mir herum und schrie mich an. Im Nachhinein muss ich zugeben, dass es sich um eine sehr hektische und laute Station handelte, wovon ich aber während meines Aufenthalts dort, nichts mitbekommen habe. Selbst diese Station bot mir mehr Ruhe als mein Leben außerhalb der Klinik.

Da das Personal davon ausging, dass bei mir keine Suizidalität gegeben war, durfte ich jederzeit die Station verlassen und mich auf dem Klinikgelände aufhalten. Ich ging im weitläufigen Park der Klinik viel spazieren und besuchte regelmäßig die Gänse an der Time-Out-Station, die lautstark schnatternd jedem Besucher entgegenliefen. Nach und nach kam ich wieder etwas zu mir selber. Sobald die Angst oder der Druck in mir hochkrochen, bin ich auf meine Station zurückgegangen, wo immer jemand vom Personal zum Sprechen bereit war. Medikamente lehnte ich ab.

Nach nur vier Tagen wurde ich auf die psychotherapeutische Station verlegt. Dort wurde ich sehr lieb vom Personal und den Mitpatienten aufgenommen, sodass ich mich schnell einleben konnte. Wir waren ca. 20 Patienten auf Station und hatten ein sehr gutes Verhältnis zueinander (die meisten jedenfalls). Da alle Mahlzeiten gemeinsam eingenommen wurden und wir in der therapiefreien Zeit sehr viel zusammen unternahmen, entstand schnell das Gefühl, wie eine Familie zusammenzugehören. Besonders mit meinen zwei Zimmerkolleginnen, mit denen ich noch heute einen guten Kontakt habe, verstand ich mich auf Anhieb hervorragend. Es tat mir unheimlich gut, mich mit meinen Narben und Wunden nicht verstecken zu müssen. Ich wurde zum ersten Mal ernstgenommen mit meinen Problemen. Niemand war da, der mir den Satz "Stell dich nicht so an!" um die Ohren schlug. Die Offenheit, die untereinander herrschte, schaffte eine vertrauensvolle Umgebung, in der ich mich wohlfühlte.

In der ersten Woche brauchte ich nur morgens am Frühsport teilnehmen und bekam zwei Einzeltherapiestunden. Ziel war es, dass ich meine Alltagshektik verliere und mich nicht selber auch in der Therapie unter Leistungsdruck stelle.

Im Laufe der zweiten und dritten Woche kamen immer mehr Therapieformen dazu:

~ Einzelgesprächstherapie: 2 Mal pro Woche je 1 Std.
~ Gruppentherapie: 3 Mal wöchentlich je 1 Std.
~ Sporttherapie: 1 Mal 1,5 und 1 Mal 2 Std. pro Woche
~ Ergotherapie: 2 Mal wöchentlich je 2,5 Std.
~ Entspannungtherapie: 2 Mal wöchentlich a 45 Minuten
~ Kunsttherapie: 2 Mal pro Woche je 1,5 Std.
~ Atemtherapie: 1 Mal pro Woche je 1,5 Std.

Am meisten hat mir die Kunsttherapie geholfen, da ich mich wesentlich leichter damit tue, meine Gedanken und Gefühle in Farben auszudrücken, als in Worte. Schon in der ersten Kusttherastunde wurde deutlich, dass sich meine Problematik in erster Linie um mein Elternhaus dreht und durch die Situation am Arbeitsplatz verstärkt wurde.

Besonders für meine Mutter war es schwer, zu wissen, dass das eigene Kind in der Klinik war. Sie rief mich mehrfach täglich an, was mir aber überhaupt nicht gut tat. Auch in diesen Telefonaten erzählte sie ausschließlich über sich und das, was in ihrem Alltag wichtig war. Auf meine Belange und Bedürfnisse wurde nicht eingegangen. Sie fragte bereits nach wenigen Tagen danach, ob denn die "Schnippelei" nun ein Ende hätte. Als ich ihr von den Mitpatienten erzählte, kam häufig wieder der Spruch, den ich so sehr hasste: "Na siehste, anderen gehts viel schlechter. Mach mal nicht so rum und stell dich nicht so an!". Selbst in dieser Situation, in der ich mir so sehr gewünscht habe, dass ich nur ein einziges Mal von ihr ernstgenommen werde, kam nichts anderes als die ewig gleich kalte Schulter ihrerseits. Oft saß ich während der Telefonate mit ihr stumm vor mich hin weinend da und kratzte mir die Arme blutig. Ich war unfähig, mich gegen sie zu wehren, konnte nicht auflegen, wütend auf sie werden, ihr die Meinung sagen.

In einem dieser Momente lief ein Mitpatienten an mir vorbei. Er realisierte, was da vor sich ging und holte Personal zu Hilfe. Gemeinsam mit ihnen beendete ich das Telefonat mit meiner Mutter. In der folgenden Therastunde vereinbarten meine Therapeutin und ich, dass ich den Kontakt zu meiner Mutter vorläufig abbrechen werde.

Das war sehr schwierig für mich und für meine Mutter, aber letztendlich war es notwendig. Nur so konnte ich den Abstand zwischen uns schaffen, um mich um mich selber kümmern zu können. In den Folgewochen habe ich sie zwar hin und wieder angerufen, aber absolut nur in den Momenten, in denen es mir gut ging und ich stark genug war, sie auszuhalten.

Die Klinik wurde schnell ein Ort, an dem ich mich sicher und wohl gefühlt habe. Ich wusste, dass ich hier ich selber sein durfte und sogar sollte. Als ich zum ersten Mal für drei Stunden das Klinikgelände verlassen durfte, holte mich mein Freund ab und fuhr mit mir hinab ins Dorf, um dort Kuchen zu essen und Kaffee zu trinken. Ich hatte ein sehr flaues Gefühl im Magen, als ich in sein Auto stieg. War doch dies das erste Mal seit mehreren Wochen, in denen ich mich so weit von der Klinik entfernte, dass nicht innerhalb weniger Minuten ein Therapeut zur Hilfe da war, wie sonst immer.

Meine Unsicherheit verstärkte sich, als wir im Dorf das Cafe betraten. Ich kam mir vor wie eine Aussätzige und klammerte mich an die Hand meines Freundes. Ich fühlte mich, als ob ich einen Stempel "LKN" auf der Stirn habe, sodass alle gleich sehen und erkennen können, dass ich aus der Klinik komme. Natürlich konnte keiner wissen, woher ich komme und warum wir in diesem Cafe waren, aber ich war trotzdem heilfroh, als G. mich wieder in die Klinik brachte.

Noch viel größer war meine Angst, als ich zum ersten Mal samstags morgens für das Wochenende nach Hause durfte. Ich hatte unglaublich Angst davor, dass schlagartig alles wieder beim Alten ist, wenn ich zurück in meine Wohnung gehe. Meine eigenen vier Wände waren für mich der Ort, an dem ich mich am häufigsten verletzt habe. Sie waren kurz vor dem Klinikaufenthalt bedrohlich geworden. Ich verband alles negative mit dieser Wohnung. Tatsächlich habe ich die ersten drei Stunden damit verbracht, durch die Wohnung zu gehen, mir alles anzuschauen und immer wieder innezuhalten, um zu spüren, dass alles okay ist. Dass nichts schlimmes passiert und ich nicht sofort wieder in mein altes Verhalten zurückfalle. G. war die ganze Zeit bei mir und beobachtete mich. Er war einfach nur da - was unheimlich gut tat.

Nach ca. drei Stunden habe ich mich so langsam getraut, mich in der Wohnung wieder frei zu bewegen. Die Angst und die Unsicherheit verschwanden. Da G. an diesem Tag nochmal für eine Weile ins Geschäft musste, übte ich nachmittags, alleine in der Wohnung zu bleiben und war irre stolz, dass das geklappt hat. Zur Belohnung bin ich anschließend ein Eis essen gegangen.

Von diesem ersten Wochenende zu Hause (nach vier Wochen Therapie) wusste ich, dass mir die Klinik wirklich hilft und es wieder aufwärts geht.

Im Laufe der Zeit wurde bewusst, welchem Druck ich in meinem Alltagsleben ausgesetzt war und dass ich diesen abbauen und mein Leben verändern muss, um weitermachen zu können.